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Ratgeber

Mykorrhiza: Wirkung, Arten und für welche Pflanzen sie sinnvoll ist

Mykorrhiza ist eine Symbiose zwischen Bodenpilzen und Pflanzenwurzeln: Der Pilz erweitert die aufnehmende Oberfläche der Wurzel und liefert vor allem Phosphat und Wasser, die Pflanze gibt im Gegenzug Zucker aus der Fotosynthese ab. Die meisten Landpflanzen bilden eine solche Symbiose – aber nicht alle: Kreuzblütler wie Kohl und Gänsefußgewächse wie Rote Bete gelten als weitgehend nicht mykorrhiziert. Mykorrhiza ist kein Dünger und ersetzt keine Nährstoffversorgung; sie verbessert die Erschließung vorhandener Bodenreserven.

Autor: Pflanzenliebe24 Gärtner-RedaktionAktualisiert am 9 Min. Lesezeit

Inhaltsverzeichnis
Steckbrief: Mykorrhiza
Was es istSymbiose aus Bodenpilz und Pflanzenwurzel
Hauptleistung für die PflanzeErschließung von Phosphat und Wasser über Pilzhyphen
Gegenleistung der PflanzeKohlenhydrate aus der Fotosynthese
VerbreitungWeit überwiegender Teil der Landpflanzen bildet Mykorrhiza
Zwei HaupttypenEndomykorrhiza (arbuskulär) und Ektomykorrhiza
Nicht mykorrhiziertu. a. Kreuzblütler (Kohl, Raps), Gänsefußgewächse (Rote Bete, Spinat)
Kein Ersatz fürDüngung, Bodenstruktur, Wasserversorgung

Was Mykorrhiza ist

Der Begriff Mykorrhiza bedeutet wörtlich „Pilzwurzel“ und beschreibt keine Substanz, sondern eine Lebensgemeinschaft: Bestimmte Bodenpilze besiedeln die Feinwurzeln einer Pflanze und bilden mit ihnen ein gemeinsames Aufnahmeorgan.

Die Pilzhyphen sind deutlich feiner als Wurzelhaare und durchziehen den Boden weit über den Wurzelbereich hinaus. Dadurch wird ein größeres Bodenvolumen erschlossen, als die Pflanze allein erreichen könnte.

Die Symbiose ist ein weit verbreitetes Prinzip in natürlichen Böden – sie ist also normalerweise vorhanden, nicht etwas, das erst hinzugefügt werden muss.

Wie die Symbiose funktioniert

Der Pilz nimmt vor allem schwer beweglichen Phosphat sowie Wasser und weitere Nährelemente auf und gibt sie an die Wurzel weiter. Die Pflanze liefert im Gegenzug Kohlenhydrate aus der Fotosynthese, auf die der Pilz angewiesen ist.

Weil die Pflanze diese Kohlenhydrate „bezahlen“ muss, ist die Symbiose kein Selbstläufer: Ist ein Nährstoff bereits reichlich verfügbar, sinkt der Nutzen für die Pflanze und die Besiedlung wird zurückgefahren. Deshalb ist hohe Phosphatversorgung ein bekannter Hemmfaktor.

Die Symbiose entsteht an neu gebildeten Feinwurzeln. Das erklärt, warum ein Effekt nicht sofort sichtbar wird, sondern an Wurzelwachstum gebunden ist – bei Neupflanzung oder Aussaat also eher als an einer bereits etablierten, durchwurzelten Pflanze.

Endomykorrhiza und Ektomykorrhiza – der entscheidende Unterschied

Bei der Endomykorrhiza, meist als arbuskuläre Mykorrhiza bezeichnet, wachsen die Hyphen bis in die Zellen der Wurzelrinde und bilden dort verzweigte Strukturen, die Arbuskeln. Dieser Typ betrifft den größten Teil der Garten- und Kulturpflanzen.

Bei der Ektomykorrhiza bleibt der Pilz außen: Er bildet einen Hyphenmantel um die Wurzelspitzen und ein Netz zwischen den äußeren Zellen. Typisch ist dieser Typ für viele Waldbäume; die Fruchtkörper vieler Waldpilze gehören zu solchen Partnerschaften.

Praktische Konsequenz: Pilzpartner sind nicht beliebig austauschbar. Ein für Gemüse und Stauden relevanter arbuskulärer Pilz ist kein Partner für eine Kiefer – und umgekehrt.

Zwei weitere Formen sind eng an ihre Gruppe gebunden: die Ericoide Mykorrhiza bei Heidekrautgewächsen wie Heidelbeere und Rhododendron sowie die Orchideenmykorrhiza, ohne die Orchideensamen in der Natur nicht auskeimen.

Welche Pflanzen profitieren können – und welche nicht

Grundsätzlich mykorrhizafähig sind die meisten Gemüsearten, Kräuter, Stauden, Gräser, Rosen, Obstgehölze und Wein. Bei Gehölzen und Koniferen ist der Partner in der Regel eine Ektomykorrhiza.

Nicht sinnvoll ist eine Anwendung bei Kreuzblütlern – dazu gehören alle Kohlarten, Radieschen, Rettich, Raps und Senf – sowie bei Gänsefußgewächsen wie Rote Bete, Mangold und Spinat. Diese Gruppen gelten als weitgehend nicht mykorrhiziert.

Auch bei mykorrhizafähigen Arten ist ein Effekt keine Selbstverständlichkeit: Enthält der Boden bereits einen intakten Pilzbesatz, ist zusätzliche Beimpfung kaum wirksam. Deutlicher diskutiert wird der Nutzen auf nährstoffarmen, phosphatarmen, wenig belebten oder stark gestörten Standorten und in sterilen Substraten.

Voraussetzungen und Grenzen

Damit sich eine Symbiose etablieren kann, braucht es lebende, wachsende Feinwurzeln, einen durchlüfteten Boden und Kontakt zwischen Pilz und Wurzel – Beimpfung gehört daher in den Wurzelbereich, nicht auf die Bodenoberfläche.

Bremsend wirken: dauerhafte Staunässe und Sauerstoffmangel, starke Verdichtung, sehr hohe Phosphatversorgung, häufiges tiefes Umgraben sowie Fungizide, die Bodenpilze treffen.

Grenzen der Erwartung: Mykorrhiza ersetzt keine Nährstoffversorgung, keine ausreichende Wassergabe und keinen passenden Standort. Sie behebt keine Krankheit und macht eine ungeeignete Art nicht standortfähig. Wachstums- oder Ertragszuwächse sind nicht garantiert und in gut versorgten Böden häufig gering.

Entscheidungshilfe: wann eine Beimpfung überhaupt plausibel ist

Wenn die Kultur zu den nicht mykorrhizierten Gruppen gehört (Kohlarten, Radieschen, Rote Bete, Spinat), dann ist eine Anwendung fachlich nicht plausibel.

Wenn der Boden dauerhaft nass oder stark verdichtet ist, dann zuerst Struktur und Drainage verbessern – ohne Sauerstoff etabliert sich die Symbiose nicht.

Wenn Nährstoffmangel oder Trockenstress die eigentliche Ursache eines Problems sind, dann diese Ursache beheben; Mykorrhiza ist dafür nicht das Mittel.

Wenn es um eine Neupflanzung, Aussaat oder ein steriles Substrat auf nährstoffarmem, wenig belebtem Boden geht, dann ist der Zeitpunkt für eine Beimpfung am plausibelsten, weil neue Feinwurzeln entstehen.

Wenn ein gewachsener, humoser Gartenboden mit gutem Bodenleben vorliegt, dann ist der zusätzliche Effekt erfahrungsgemäß klein – Kompost, Mulch und schonende Bodenbearbeitung wirken hier auf denselben Faktor.

Typische Missverständnisse

„Mykorrhiza ist ein Dünger.“ Nein – sie führt keine Nährstoffe zu, sondern erschließt vorhandene. Fehlt ein Nährstoff im Boden, kann auch der Pilz ihn nicht bereitstellen.

„Mykorrhiza funktioniert bei jeder Pflanze.“ Nein – Kreuzblütler und Gänsefußgewächse bilden praktisch keine Mykorrhiza, und Ekto- und Endopartner sind nicht austauschbar.

„Mehr ist besser.“ Die Besiedlung wird von der Pflanze reguliert; sie hängt vom Nutzen ab, nicht von der ausgebrachten Menge.

„Die Wirkung ist sofort sichtbar.“ Die Symbiose entsteht an neuen Feinwurzeln und braucht Wochen bis Monate.

„Ohne Beimpfung gibt es keine Mykorrhiza.“ In gewachsenen Böden ist der Besatz in der Regel bereits vorhanden.

Kennwerte im Vergleich

Endomykorrhiza und Ektomykorrhiza im Vergleich
MerkmalEndomykorrhiza (arbuskulär)Ektomykorrhiza
Lage am WurzelsystemHyphen dringen in die Zellen der Wurzelrinde ein und bilden dort ArbuskelnHyphen umhüllen die Wurzelspitze als Mantel, dringen aber nicht in die Zellen ein
Typische PilzgruppenGlomeromycota (arbuskuläre Mykorrhizapilze)überwiegend Basidiomycota und Ascomycota (viele Hutpilze)
Typische PartnerpflanzenGemüse, Kräuter, Stauden, Gräser, viele Obstarten, Rosen, WeinKiefer, Fichte, Lärche, Birke, Eiche, Buche, Hasel
Sichtbarkeitnur mikroskopisch erkennbarhäufig als Fruchtkörper im Wald sichtbar (z. B. Röhrlinge, Täublinge)
VerbreitungHäufigster Mykorrhiza-Typ im Garten- und AckerbauVor allem in Wald- und Gehölzstandorten der gemäßigten Zone
Praxisbezugrelevant für Beet, Kübel, Hochbeet, Obst- und Staudenpflanzungrelevant bei Gehölz- und Waldpflanzungen
Es existieren weitere Sonderformen, etwa die Ericoide Mykorrhiza bei Heidekrautgewächsen und die Orchideenmykorrhiza. Beide sind eng an ihre Pflanzengruppe gebunden.
Welche Pflanzengruppen welchen Mykorrhiza-Typ bilden
PflanzengruppeBeispieleTypEinschätzung für die Praxis
Fruchtgemüse & KräuterTomate, Paprika, Gurke, Basilikum, ThymianEndomykorrhizaSymbiose ist grundsätzlich möglich; Effekt vor allem auf nährstoffarmen, phosphatarmen Böden diskutiert
Zwiebel- und LauchgewächseZwiebel, Porree, KnoblauchEndomykorrhizagelten als mykorrhizafreudig
Stauden, Gräser, RosenPfingstrose, Lavendel, Ziergräser, RosenEndomykorrhizaverbreitet mykorrhiziert
ObstgehölzeApfel, Birne, Beerenobst, WeinEndomykorrhizaverbreitet mykorrhiziert
Waldbäume / KoniferenKiefer, Fichte, Birke, Eiche, BucheEktomykorrhizaandere Pilzpartner als im Gemüsebeet
HeidekrautgewächseHeidelbeere, Rhododendron, HeideEricoide Mykorrhizaspezialisierter Typ, an saure Substrate gebunden
OrchideenErd- und ZimmerorchideenOrchideenmykorrhizahochspezialisiert, für die Keimung im Freiland bedeutsam
KreuzblütlerKohlarten, Radieschen, Raps, Senfpraktisch keine MykorrhizaAnwendung fachlich nicht plausibel
GänsefußgewächseRote Bete, Mangold, Spinatpraktisch keine MykorrhizaAnwendung fachlich nicht plausibel
Die Zuordnung beschreibt die Pflanzengruppe, nicht den Erfolg einer Anwendung. Ob eine Beimpfung im Einzelfall etwas ändert, hängt vom Boden, dem vorhandenen Pilzbesatz und der Nährstoffversorgung ab.
Mykorrhiza und Dünger: unterschiedliche Funktion
KriteriumMykorrhizaDünger
Funktionerschließt vorhandene Boden- und Wasservorräte über Pilzhyphenführt Nährstoffe zu
Wirkt überlebende Symbiose an der Wurzelchemisch/physikalisch verfügbare Nährsalze
Wirkungseintritterst nach Etablierung an neuen Wurzeln, Wochen bis Monatemeist Tage bis Wochen
Bei Nährstoffmangelkein Ersatz – fehlende Nährstoffe können nicht erzeugt werdengeeignetes Mittel zur Behebung
Störfaktorhohe Phosphatgaben, Staunässe, starke BodenstörungÜberdosierung schädigt Wurzeln

Häufige Fragen

Ist Mykorrhiza ein Dünger?

Nein. Mykorrhiza ist eine Symbiose, die vorhandene Boden- und Wasservorräte besser erschließt – vor allem schwer beweglichen Phosphat. Fehlende Nährstoffe kann sie nicht ersetzen; dafür bleibt eine bedarfsgerechte Düngung zuständig.

Was ist der Unterschied zwischen Ektomykorrhiza und Endomykorrhiza?

Bei der Endomykorrhiza wachsen die Pilzhyphen in die Zellen der Wurzelrinde und bilden Arbuskeln; dieser Typ betrifft die meisten Garten- und Kulturpflanzen. Bei der Ektomykorrhiza umhüllt der Pilz die Wurzelspitze von außen – typisch für viele Waldbäume wie Kiefer, Fichte, Birke oder Eiche.

Bei welchen Pflanzen ist Mykorrhiza nicht sinnvoll?

Bei Kreuzblütlern wie Kohl, Radieschen, Rettich und Raps sowie bei Gänsefußgewächsen wie Rote Bete, Mangold und Spinat. Diese Gruppen gelten als weitgehend nicht mykorrhiziert.

Warum bremst zu viel Phosphat die Symbiose?

Die Pflanze bezahlt den Pilz mit Kohlenhydraten. Ist Phosphat ohnehin reichlich verfügbar, sinkt der Nutzen der Partnerschaft und die Besiedlung wird zurückgefahren.

Wie lange dauert es, bis eine Symbiose entsteht?

Sie bildet sich an neu wachsenden Feinwurzeln und braucht daher Wochen bis Monate. Deshalb ist der Zeitpunkt von Aussaat oder Pflanzung günstiger als eine Anwendung an lange etablierten Pflanzen.

Zerstört Umgraben die Mykorrhiza?

Starke, häufige Bodenbearbeitung zerreißt das Hyphennetz und wirkt sich negativ aus. Schonende Bearbeitung, Mulch und dauerhafte Bodenbedeckung erhalten den vorhandenen Besatz.

Quellen & weiterführende Fachinformationen

Diese Stellen nutzen wir als fachliche Grundlage. Rechtliche Angaben zu Pflanzenschutzmitteln richten sich immer nach der Kennzeichnung des jeweiligen Produkts.

  1. [1] Pflanzenschutzdienst & Fachinformationen

    Julius Kühn-Institut (JKI)

    Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen – Grundlage für Angaben zu Schaderregern und Kulturmaßnahmen.

  2. [2] Pflanzenschutzmittel-Datenbank

    Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

    Verzeichnis zugelassener Pflanzenschutzmittel und ihrer Anwendungsgebiete in Deutschland.

  3. [3] Düngung im Haus- und Kleingarten

    Umweltbundesamt

    Hinweise zu sachgerechten Düngermengen und Umweltauswirkungen.

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